Der Limes in Deutschland
Der Obergermanisch-Rätische Limes gehört zweifellos zu den weltbedeutenden
Denkmälern. Das größte Bodendenkmal Europa ist 542 Kilometer lang. Einst
erstreckte sich diese aus 61 Kastellen und etwa 900 Türmen, Wällen und Gräben
aufgebaute römische Befestigungsanlage zwischen Donau und Mosel. Das
berühmteste, historisch allerdings eher unwichtige Kastell ist die Saalburg in
Hessen. Ihre Rekonstruktion war ein Lieblingsprojekt Kaiser Wilhelms II. Der
Erfolg dieser Popularisierung blieb nicht aus: Heute gibt es nicht nur die
vierzehnbändige Limesdokumentation, die die 1892 gegründete
Reichslimeskommission bis 1934 herausgab, sondern auch die Deutsche Limesstraße
und Limes-Radtouren, Limesführer en masse und Limeswein. Inzwischen muss man
sogar befürchten, dass eher zu viele Kastelle und Türme rekonstruiert werden -
schon jetzt ist vor allem in Baden-Württemberg eine regelrechte Sammlung von
solchen recht frei gestalteten Geschichtsmodellen im Maßstab 1:1 zu bewundern.
Der Limes trennte das Römische Weltreich von den Gebieten des "freien
Germanien". Er war aus der Sicht Roms die Grenze zwischen Barbarei und
Zivilisation. Er war aber auch - und das vor allem ist für die
Welterbe-Kommission entscheidend - ein Teil jenes gewaltigen
Befestigungssystems, mit dem Kaiser Hadrian und seine Nachfolger seit dem
zweiten Jahrhundert das Römische Reich beschützten. Zwischen Schottland und
England entstand der "Hadrianswall" - seit 1987 in die Welterbeliste
eingetragen. Ähnliche Anlagen finden sich im heutigen Rumänien, im Irak und in
Nordafrika. Langfristig will die Unesco sie alle zu einem großen, heutige
Grenzen überwindenden Welterbe-Denkmal zusammenzufügen.

Hadrian demonstrierte mit diesen Bauten seinen Untertanen neue Sicherheit - und
den Nachbarn, dass die Ausdehnung des Römisches Reiches ein Ende habe. Schnell
entstand am Limes deswegen eine eher friedliche Kontaktzone, in der man handelte
und sich die Zivilisationen mischten. Als die Völkerwanderung begann, waren die
meisten Anlagen verfallen oder zivil umgenutzt. Die wilden Schlachten, die
deutschnationale Schriftsteller um 1900 am Limes als Stellvertreter des
Konflikts zwischen Deutschland und Frankreich beschrieben: die hat es nie
gegeben.
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